Vielstoffgemische haben Breitspektrum-Wirkung

Die Natur der Vielstoffgemische besteht darin, dass sie nie aus lediglich einer Verbindung bestehen und damit aufgrund ihrer molekularen Vielfalt meist eine Breitspektrum-Wirkung einhergeht. Diese vielseitige Wirksamkeit ist auf die verschiedenen Strukturen der Inhaltsstoffe eines solchen Gemisches zurückzuführen.

Fettlösliche Verbindungen können gezielt Zellmembranen überwinden und modulieren, sodass nicht bzw. weniger fettlösliche Verbindungen aufgenommen werden können. Andere Verbindungen, die für sich keine biologische Aktivität aufweisen, wirken stabilisierend und können den vorzeitigen Abbau und die Oxidation von wirksamen Inhaltsstoffen hemmen/abschwächen. Wieder andere Verbindungen können Gifte und andere potenziell schädlich wirkende Substanzen neutralisieren.

Vielstoffgemische können in Wechselbeziehungen treten

Dabei greifen die unterschiedlichsten Stoffe eines Vielstoffgemisches ineinander, unterstützen sich gegenseitig, hemmen die Wirkung anderer Verbindungen oder ergänzen sich wechselseitig in ihren Wirkspektren. Ein Vielstoffgemisch kann sehr vielseitig wirken und besitzt meist mehr als nur einen Zielort. Dieser Mechanismus macht Vielstoffe zu vielversprechenden Kandidaten bei der Bekämpfung von Antibiotika- und anderen Arzneistoff-Resistenzen.

Pflanzliche Inhaltsstoffe gegen Antibiotikaresistenzen

Die Kombination aus Antibiotika mit pflanzlichen Stoffen kann Bakterienresistenzen verhindern und sogar die erforderliche Menge Antibiotikum reduzieren. Der großflächige Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin führt zunehmend zu Resistenzerscheinungen. Das kann die Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten zu einer echten medizinischen Herausforderung machen. Die Einzelwirkstoffe verlieren ihre Wirkung. Als letztes Mittel werden häufig Kombinationen aus unterschiedlichen Antibiotika mit erhoffter Breitbandwirkung eingesetzt. Zeigt eine solche Antibiotika-Paarung nicht den gewünschten Erfolg, spricht man von einer Multiresistenz, die für den betreffenden Patienten eine Lebensgefahr darstellen kann.

Komplexe Pflanzengemische versprechen hier einen möglichen Lösungsansatz, denn ihre natürliche Kombination aus unterschiedlichen Inhaltsstoffen wirkt vielseitig auf verschiedenen Ebenen. Es gibt Verbindungen, die das Vielstoffgemisch stabilisieren und damit vorzeitigen Abbau verhindern, Inhaltsstoffe, die wirksame Verbindungen in ihren Eigenschaften verstärken, Molekülstrukturen, die auf unterschiedliche Zellstrukturen einwirken können, u.v.m. So konnte im Labor gezeigt werden, dass antimikrobiell wirkendes Teebaumöl in Kombination mit bestimmten Antibiotika deren Wirkung positiv unterstützt, so dass diese selbst gegen gewisse resistente Bakterienstämme wirksam waren.

Wortwörtlich eröffnet ein komplexes Pflanzengemisch, als Vielstoffgemisch, neue Wege, um Wirkstoffe an ihr Ziel zu bringen, und kann unter Umständen Resistenzen überwinden. Der integrative Einsatz pharmazeutischer Vielstoffgemische mit Antibiotika kann unter den genannten Umständen zu einer Reduzierung der Antibiotikamenge führen. Die synergistische – wirkungssteigernde – Eigenschaft eines Pflanzenextrakts könnte somit die eingesetzte Dosis eines Antibiotikums verringern und zu einer besseren Verträglichkeit beim Patienten führen. Letztendlich aber werden dadurch auch die Wirksamkeit der Antibiotika auf Dauer und damit wesentliche Werkzeuge für die moderne Medizin erhalten.