Vielstoffgemische in der Veterinärmedizin

Auch in der Tiermedizin finden integrative Medizinansätze Anwendung, welche auf ein breites Spektrum von Disziplinen und Behandlungsmethoden zurückgreifen, die auf anderen Modellen der Entstehung von Krankheiten und deren Behandlung basieren als jene der Schulmedizin. Dabei setzen Tierärzte auf eine Palette mit völlig unterschiedlichen Ansätzen wie Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Chiropraktik, Phytotherapie, aber auch Homöopathie.

Diese Therapieansätze ergänzen die breite Basis der Schulmedizin. Durch hochqualitative Studien kann mittlerweile die Wirksamkeit vieler komplementärmedizinischer Behandlungen beim Tier belegt werden. Durch den medizinischen Fortschritt lässt sich auch die wissenschaftliche Überprüfbarkeit, die immer im Vordergrund steht, optimieren.

Wildtiere heilen sich selbst

Dass die Naturheilkunde mit Ihren Vielstoffgemischen aus der Natur stammt und vielfach wirksam ist, zeigt auch das Verhalten von Wildtieren. Von Ameisen, Bienen bis zu Hirschen und Wölfen nutzen Tiere Pflanzen, um sich zu heilen. Wildtiere leiden nicht nur unter Parasiten im Fell und auf der Haut. Viren, Bakterien, Würmer, Einzeller befallen sie, besiedeln Lunge, Darm, Milz, Gehirn. Auch Wildtiere suchen gezielt Pflanzen, die ihnen bei Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen Linderung und Heilung bringen.

Bei Schimpansen konnte beobachtet werden, dass sie sich bei Parasitenbefall mit Giftpflanzen, wie dem Strauch Vernonia amygdalina, behandeln. Die Blätter dieses Strauches werden auch bei Einheimischen in Tansania als Medizin gegen Bauchschmerzen und Parasiten verwendet. Wie Untersuchungen zeigen, besitzt die Pflanze einen ganzen Medikamentencocktail aus zwölf unterschiedlichen Inhaltsstoffen gegen Parasiten. Gegen die Wildtierkrankheiten sind offensichtlich Kräuter gewachsen.

Dieses Verhalten findet sich allerdings nicht nur in Bezug auf Kräuter, Wildtiere nutzen auch tierische Helfer und deren Vielstoffgemische. Von 200 Vogelarten ist bekannt, dass sie sich in Ameisenhaufen setzen und in der Ameisensäure duschen, die sie gegen den Befall durch Insekten schützt.

Natürliches Heilkräuter-Wissen bei Haustieren

Selbst bei unseren Haustieren können wir derartige Verhaltensweisen beobachten. Hundebesitzer kennen das Verhalten, wenn Hunde gezielt bestimmte Sorten Gräser auf einer Wiese im Ganzen herunterschlingen. Kurze Zeit später erbrechen die Hunde das Gras oder scheiden die Halme unverdaut wieder aus. Auch in Ausscheidungen von Füchsen und Wölfen finden sich unverdaute Grashalme. Auch Wildtiere „wissen“, welche Blätter, Halme oder Wurzeln sie gegen Infektionen, Würmer oder bei Magenverstimmungen fressen müssen.

Vielstoffgemische aus Heilpflanzen und Tieren sind von Natur aus Bestandteil zur Selbstmedikation. Doch sie sind nicht per se harmlos und ohne Nebenwirkungen, weshalb ihre Untersuchung, Charakterisierung und toxikologische Bewertung unter Berücksichtigung des Wissens unserer Vorfahren weiterhin beforscht und auch ausgebaut werden muss.